New Work: Was bedeutet der Megatrend für unsere Arbeitswelt?
New Work ist inzwischen weit mehr als ein Buzzword.
Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, Remote Work, neue Formen der Zusammenarbeit, Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern die Art, wie wir arbeiten.
Doch New Work bedeutet nicht einfach, von zu Hause zu arbeiten oder weniger Stunden im Büro zu verbringen.
Hinter dem Begriff steckt eine viel grundlegendere Frage:
Wie wollen wir eigentlich arbeiten – und welche Rolle soll Arbeit in unserem Leben spielen?
Diese Frage beschäftigt mich schon lange. 2018 begann ich, mich intensiv mit New Work und der Zukunft unserer Arbeitswelt auseinanderzusetzen. Ich sprach mit Zukunftsforschern, beschäftigte mich mit Frithjof Bergmanns ursprünglicher Idee von New Work und verband meine Recherche mit meinen Erfahrungen aus Recruiting, Headhunting und Coaching.
Daraus entstand später mein New Work Guide.
Und obwohl sich unsere Arbeitswelt seitdem enorm verändert hat, ist die zentrale Frage für mich aktueller denn je:
Wie können wir Arbeit so gestalten, dass sie nicht nur funktioniert – sondern wirklich zu uns und unserem Leben passt?
Was bedeutet New Work?
Der Begriff New Work geht auf den Philosophen Frithjof Bergmann zurück.
Im Zentrum seiner Arbeit stand die Frage, wie Menschen mehr Freiheit gewinnen und einer Arbeit nachgehen können, die sie „wirklich, wirklich wollen“. Bergmann entwickelte seine Ideen unter anderem vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen der industriellen Arbeitswelt.
Heute wird New Work wesentlich breiter verwendet.
Der Begriff umfasst unterschiedliche Entwicklungen unserer Arbeitswelt: neue Arbeitsmodelle, Digitalisierung, flexible Zusammenarbeit, veränderte Erwartungen an Führung und Unternehmenskultur – aber auch die Frage nach Sinn, Selbstbestimmung und der Bedeutung von Arbeit in unserem Leben.
Für mich lässt sich New Work deshalb nicht auf Homeoffice, einen Obstkorb oder einen schicken Coworking Space reduzieren.
New Work stellt die Frage, wie wir arbeiten wollen.
Und genau diese Frage hat mich damals gepackt.
Meine Reise mit New Work begann 2018
Damals arbeitete ich als Karrierecoach und begegnete dem Begriff immer häufiger. Ich wollte wissen: Was steckt wirklich hinter diesem Buzzword?
Ich begann zu recherchieren – und landete unter anderem beim Zukunftsinstitut in Frankfurt. Dort führte ich ein Interview mit Harry Gatterer, dem damaligen Geschäftsführer des Zukunftsinstituts.
Ausgerüstet mit Laptop und Stativ machte ich mich auf den Weg ins Frankfurter Bahnhofsviertel. Das Gespräch übertrug ich live, sodass nicht nur meine eigenen Fragen, sondern auch Fragen aus meiner Community einfließen konnten.
Was mich an unserem Gespräch besonders faszinierte, war sein Blick auf Veränderung. Technologische Entwicklung verändert nicht nur unsere Tools. Sie zwingt uns auch dazu, darüber nachzudenken, wie wir leben und arbeiten möchten.
Einen Teil meiner damaligen Recherche kannst du dir hier noch heute ansehen. In diesem Gespräch spreche ich mit Harry Gatterer über New Work und die Veränderungen unserer Arbeitswelt:
Und damit sind wir mitten in New Work.
New Work ist mehr als ein Trend
Als ich mich damals mit dem Zukunftsinstitut beschäftigte, wurde New Work dort als einer der großen Megatrends unserer Zeit beschrieben.
Megatrends bezeichnen langfristige Veränderungen, die verschiedene Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft prägen.
Und genau das können wir bei Arbeit beobachten.
Digitalisierung und Automatisierung verändern Tätigkeiten.
Neue Technologien schaffen neue Berufsbilder und verändern bestehende.
Menschen hinterfragen Arbeitszeiten und Arbeitsorte.
Unternehmen experimentieren mit neuen Führungs- und Zusammenarbeitsmodellen.
Und gleichzeitig verändert sich unser persönlicher Blick auf Arbeit.
Wir fragen nicht mehr nur:
Wie kann ich erfolgreich arbeiten?
Sondern zunehmend:
Wie soll Arbeit in mein Leben passen?
Frithjof Bergmann und die ursprüngliche Idee von New Work
Bei meiner Recherche stieß ich auf Frithjof Bergmann. Der Philosoph gilt als einer der zentralen Begründer der New-Work-Bewegung. Seine Ideen entstanden bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren – unter anderem im Umfeld der Automobilindustrie in Flint, Michigan.
Mich berührte damals besonders sein Gedanke, dass Menschen herausfinden dürfen, was sie wirklich, wirklich wollen.
Denn genau das erlebte ich in meiner damaligen Arbeit als Karrierecoach immer wieder: Menschen wussten sehr genau, was sie nicht mehr wollten.
Aber die Frage „Was will ich eigentlich wirklich?“ war oft wesentlich schwieriger zu beantworten.
Dafür brauchen wir Raum. Zum Ausprobieren. Zum Reflektieren.
Und manchmal auch den Mut, einen Weg zu verlassen, der nach außen vollkommen vernünftig aussieht.
Wenn du Frithjof Bergmann selbst über seine Idee von New Work sprechen hören möchtest, findest du hier einen Ausschnitt aus meiner damaligen Recherche:
Digitalisierung verändert unsere Arbeit – aber sie definiert New Work nicht
Schon bei meiner ursprünglichen Recherche spielte Digitalisierung eine große Rolle.
Heute – mit künstlicher Intelligenz, Automatisierung und einer noch viel stärkeren digitalen Vernetzung – ist das Thema noch einmal auf einer ganz anderen Ebene angekommen.
Technologie kann Tätigkeiten übernehmen, Prozesse beschleunigen und uns Arbeit abnehmen.
Sie kann aber auch neue Anforderungen, Unsicherheit und Veränderungsdruck erzeugen.
Deshalb ist für mich eine Frage wichtiger denn je:
Was machen wir eigentlich mit der Freiheit, die Technologie uns ermöglichen kann?
Nutzen wir sie nur, um noch produktiver zu werden?
Oder gestalten wir dadurch Arbeit neu?
Technologie allein macht noch kein New Work.
Entscheidend ist, wie wir sie nutzen und welche Arbeitswelt wir damit erschaffen.
Warum Veränderung uns trotzdem Angst machen kann
Veränderung klingt spannend – solange sie abstrakt bleibt.
Wenn sie unseren eigenen Arbeitsplatz, unsere berufliche Identität oder unsere finanzielle Sicherheit betrifft, sieht das schnell anders aus.
Das war bereits bei meiner ursprünglichen Recherche ein großes Thema.
Neue Technologien verändern Tätigkeiten. Manche verschwinden, andere entstehen.
Und wir wissen nicht immer, welche Auswirkungen eine Entwicklung langfristig haben wird.
Das kann verunsichern.
Gleichzeitig liegt darin auch eine Chance.
Denn wenn sich Arbeit verändert, können wir uns immer wieder fragen:
Welche Arbeit möchten wir Menschen eigentlich selbst machen?
Welche unserer Fähigkeiten werden wichtiger?
Was gibt uns Sinn?
Und wie können Technologien uns dabei unterstützen, mehr Zeit für genau diese Dinge zu haben?
Du möchtest tiefer eintauchen?
Aus meiner Recherche rund um New Work ist mein 101-seitiger New Work Guide entstanden.
Darin geht es um die Zukunft unserer Arbeitswelt, Zukunftskompetenzen und die Frage, wie wir Arbeit erfüllt und zukunftsfähig gestalten können.
Der Guide entstand ursprünglich als Spendenprojekt. Heute kannst du ihn kostenfrei online lesen oder als PDF herunterladen.
Was Menschen heute von Arbeit erwarten
Unsere Erwartungen an Arbeit haben sich verändert.
Für viele Menschen reicht es nicht mehr aus, dass ein Job lediglich Einkommen und Sicherheit bietet.
Arbeit darf Sinn machen.
Sie darf zu den eigenen Stärken passen.
Sie darf Entwicklung ermöglichen.
Und sie darf sich in ein Leben einfügen, das aus mehr besteht als Arbeit.
Natürlich können nicht alle Menschen ihre Arbeit jederzeit frei gestalten. Arbeitsbedingungen, finanzielle Möglichkeiten, Branche, Care-Arbeit und persönliche Lebensumstände setzen reale Grenzen.
Trotzdem halte ich die Frage für wichtig:
Was brauche ich, damit Arbeit für mich langfristig funktioniert?
Denn New Work beginnt für mich nicht erst bei einem neuen Arbeitszeitmodell.
Es beginnt auch damit, dass wir unsere eigenen Vorstellungen von Arbeit hinterfragen.
Meine vier Grundprinzipien für erfüllte Arbeit
Aus meiner damaligen Arbeit rund um New Work entstanden vier Grundprinzipien, die ich bis heute spannend finde.
1. Stärken
Du kannst deine Fähigkeiten und Stärken einsetzen.
Arbeit darf dich nicht permanent gegen deine eigene Natur arbeiten lassen.
Welche Tätigkeiten fallen dir leicht?
Was kannst du besonders gut?
Und wobei vergisst du vielleicht sogar die Zeit?
2. Sinn
Deine Arbeit schafft einen Mehrwert, der für dich Bedeutung hat.
Sinn muss dabei nicht bedeuten, dass du die ganze Welt rettest.
Die entscheidende Frage ist:
Warum ist das, was ich tue, für mich wichtig?
3. Umfeld
Du arbeitest mit Menschen und in Strukturen, die dir guttun.
Die interessanteste Tätigkeit kann auf Dauer belastend werden, wenn das Umfeld nicht passt.
Führung, Zusammenarbeit, Werte und Unternehmenskultur haben enormen Einfluss darauf, wie wir unsere Arbeit erleben.
4. Bezahlung
Deine Arbeit schafft finanzielle Sicherheit.
Auch das gehört für mich zu erfüllter Arbeit.
Sinn und Freude ersetzen nicht die Notwendigkeit, von unserer Arbeit leben zu können.
Genau deshalb gehören für mich persönliche Erfüllung und wirtschaftliche Realität zusammen.
Der perfekte Beruf ist kein statischer Punkt
Das ist einer der Gedanken aus meinem ursprünglichen Artikel, den ich heute vielleicht sogar noch stärker unterschreiben würde:
Der Beruf, der zu dir passt, ist kein statischer Punkt, den du einmal findest und dann für immer festhältst.
Wir entwickeln uns.
Unser Leben verändert sich.
Unsere Werte verschieben sich.
Wir bekommen Kinder, übernehmen Verantwortung, entdecken neue Interessen, lernen neue Fähigkeiten oder merken irgendwann:
Das, was früher perfekt zu mir gepasst hat, passt heute nicht mehr.
Damals habe ich diese Entwicklung vor allem auf den Traumberuf bezogen.
Heute sehe ich sie auch in meiner eigenen Business Evolution.
Von New Work zu Feminine Evolution
Als ich 2018 begann, mich intensiv mit New Work zu beschäftigen, war ich Karrierecoach.
Meine zentrale Frage war: Wie finden Menschen eine Arbeit, die wirklich zu ihnen passt?
Heute, einige Jahre und viele eigene Entwicklungsschritte später, arbeite ich vor allem mit Unternehmerinnen.
Und die Frage ist erstaunlich ähnlich geblieben.
Nur hat sie sich weiterentwickelt:
Wie führst du ein Business, das wirklich zu dir und deinem Leben passt?
Denn auch ein erfolgreiches Business kann irgendwann zu eng werden.
Eine Positionierung, die einmal perfekt war.
Ein Angebot, das lange funktioniert hat.
Eine Arbeitsweise, die dich erfolgreich gemacht hat.
All das darf sich verändern, wenn du dich veränderst.
Für mich ist auch das New Work.
Nicht nur neue Bürokonzepte oder Remote Work.
Sondern die Möglichkeit, Arbeit bewusst zu gestalten – entsprechend unserer Werte, unserer Lebensphase und unserer eigenen Definition von Erfolg.
Dein Business darf sich mit dir weiterentwickeln.
New Work bedeutet auch, Erfolg neu zu definieren
Schon in meinem ursprünglichen Artikel beschäftigte mich die Frage, ob Arbeit wirklich hart sein muss.
Heute würde ich sie noch erweitern:
Muss Erfolg bedeuten, dass Arbeit möglichst viel Raum in unserem Leben einnimmt?
Ich glaube nicht.
Vielleicht bedeutet Erfolg für dich Wachstum.
Vielleicht Freiheit.
Zeit mit deiner Familie.
Finanzielle Sicherheit.
Wirkung.
Kreativität.
Gesundheit.
Oder die Möglichkeit, an einem Dienstagvormittag etwas völlig anderes zu tun, weil du dein Business genau dafür aufgebaut hast.
New Work eröffnet für mich deshalb nicht nur die Frage, was wir arbeiten.
Sondern auch:
Wie wollen wir leben?
Die stille Revolution unserer Arbeitswelt
Während meiner New-Work-Recherche fuhr ich damals sogar nach Marktheidenfeld, um mir den Film „Die stille Revolution“ über den Upstalsboom-Weg und Bodo Janssens neue Form der Unternehmensführung anzusehen.
Mich faszinierte daran vor allem eine Erkenntnis:
Veränderung muss nicht immer laut passieren.
Manchmal verändert sich Unternehmenskultur schrittweise.
Menschen beginnen anders zu führen.
Teams arbeiten anders zusammen.
Unternehmen experimentieren mit Arbeitszeiten, Verantwortung und Flexibilität.
Und manchmal beginnt Veränderung tatsächlich mit etwas sehr Unscheinbarem: mit Reflexion.
Mit der Bereitschaft, nicht einfach weiterzumachen, nur weil etwas schon immer so gemacht wurde.
War die Corona-Pandemie ein Beschleuniger für New Work?
Als ich die erste Version dieses Artikels schrieb, waren die Folgen der Pandemie noch sehr präsent.
Plötzlich arbeiteten Menschen im Homeoffice, bei denen das vorher angeblich unmöglich gewesen war.
Geschäftsreisen wurden durch Videokonferenzen ersetzt.
Digitale Prozesse mussten innerhalb kürzester Zeit entstehen.
Heute können wir mit etwas mehr Abstand sagen:
Die Pandemie hat viele bereits bestehende Entwicklungen unserer Arbeitswelt sichtbar gemacht und beschleunigt.
Aber auch damals war mir wichtig:
Homeoffice allein ist noch kein New Work.
Denn die entscheidende Frage bleibt nicht, wo wir arbeiten.
Sondern unter welchen Bedingungen.
Mit wie viel Autonomie.
Mit welcher Kultur.
Mit welchem Sinn.
Und mit welchem Platz für Arbeit in unserem Leben.
Was bedeutet New Work heute?
Für mich bedeutet New Work heute vor allem:
Arbeit bewusst zu gestalten.
Technologie zu nutzen, ohne uns von ihr bestimmen zu lassen.
Unsere Stärken einzubringen.
Sinn zu erleben.
In einem Umfeld zu arbeiten, das uns unterstützt.
Wirtschaftliche Sicherheit zu schaffen.
Und gleichzeitig anzuerkennen, dass unsere Vorstellungen von guter Arbeit sich im Laufe unseres Lebens verändern dürfen.
Vielleicht ist deshalb die wichtigste New-Work-Frage noch immer erstaunlich nah an Frithjof Bergmanns ursprünglicher Idee:
Was willst du wirklich, wirklich?
Und ich würde heute noch eine zweite hinzufügen:
Passt die Art, wie du arbeitest, zu dem Leben, das du führen möchtest?
Der New Work Guide – heute kostenfrei für dich
Aus meiner jahrelangen Beschäftigung mit diesen Fragen entstand mein New Work Guide – Arbeit neu gedacht.
Auf 101 Seiten geht es um die Veränderungen unserer Arbeitswelt, Zukunftskompetenzen und die Frage, wie wir unsere berufliche Zukunft erfüllt und zukunftsfähig gestalten können.
Der Guide erschien 2021 und war ursprünglich mit einer Spendenaktion verbunden. Die Einnahmen wurden für gemeinnützige Projekte eingesetzt.
Diese Aktion ist inzwischen beendet.
Das Buch möchte ich trotzdem weiterhin zugänglich machen.
Deshalb kannst du den New Work Guide heute kostenfrei erhalten.
→ New Work Guide kostenlos herunterladen
Vielleicht liest du manche Passagen heute mit einem anderen Blick als 2021.
Das tue ich übrigens auch.
Und genau das finde ich passend.
Denn wenn mich meine Arbeit mit New Work eines gelehrt hat, dann:
Die Zukunft passiert nicht einfach. Wir gestalten sie.
Deine Karolin
Karolin König-Baykan - Mentorin für Business Queens
Über Karolin
Ich bin Karolin König-Baykan, Business Mentorin, Autorin und Gründerin von Feminine Evolution.
Nach meinem BWL-Studium arbeitete ich mehrere Jahre im Recruiting und Headhunting, bevor ich mich 2016 als Karriere- und Businesscoach selbstständig machte.
Meine Beschäftigung mit New Work führte mich zu Interviews, Vorträgen und schließlich zu meinem New Work Guide, in den meine Erfahrungen aus HR, Coaching und der Arbeit mit Tausenden Menschen eingeflossen sind.
Heute hat sich meine Arbeit weiterentwickelt. Ich begleite Business Queens dabei, ein Business zu führen, das wirklich zu ihnen und ihrem Leben passt – mit einer Verbindung aus Strategie, persönlicher Entwicklung und Selbstführung.
Die Frage hinter meiner Arbeit ist dabei erstaunlich ähnlich geblieben:
Wie wollen wir arbeiten – und leben?